europaticker Arbeiten für die Umwelt:

Die Zukunft der Umweltberufe

Umwelt und Beschäftigung? Da steckt noch mehr drin!

1,5 Millionen Menschen – rund 3,8 Prozent aller Beschäftigten - arbeiten im Umweltschutz. Mehr als zum Beispiel in der Automobilindustrie. Der Umweltschutz ist ein bedeutender und stabilisierender Faktor für den deutschen Arbeitsmarkt geworden.

Die Branche der Erneuerbaren Energien boomt, mit insgesamt 170.000 Arbeitsplätzen im Jahr 2005. Die ökologische Lebensmittelwirtschaft hat zweistellige Zuwachsraten, jedes Jahr schafft sie 20.000 Arbeitsplätze. Deutschland exportierte 2003 Waren aus dem Umweltschutzbereich in Höhe von rund 31 Mrd. Euro. Mit einem Weltmarktanteil von 18,8 Prozent ist Deutschland damit führend. Zeit zum Ausruhen? Keinesfalls. Denn das Doppelte ist möglich. 3 Millionen Arbeitsplätze im Jahr 2020 sind machbar - wenn alle Potentiale genutzt werden.

Die Maßnahmen zum Schutz der Umwelt sind vielfältig – auf nationaler und internationaler Ebene werden immer mehr Gesetze eingeführt und Standards zum Schutz der Umwelt etabliert. Parallel dazu ist ein komplexes Feld an Umweltberufen entstanden. Auf diesem wachsenden Arbeitsmarkt finden sich Menschen aus den unterschiedlichsten Berufsgruppen. Eine Tendenz, die sich in den nächsten Jahren fortsetzen wird.
Ellen Albrecht sieht bei der Arbeit genau hin – und zwar genau dort, wo die meisten Menschen am liebsten die Augen schließen würden – in Entsorgungsanlagen, in denen Abfälle verwertet oder beseitigt werden. Die 35-Jährige arbeitet als Umweltschutzbeauftragte und Fachkraft für Arbeitssicherheit für die Kölner RheinEnergie AG, einem regionalen Energieversorgungsunternehmen für Strom, Gas und Wasser. In der Umweltschutzabteilung des rheinischen Energieversorgers arbeitet ein Team aus Ingenieuren und Naturwissenschaftlern daran, dass die gesetzlichen Regelungen zum Umweltschutz eingehalten werden. Das sind in erster Linie Bestimmungen zum Immissionsschutz, zum Gewässerschutz, zur Schadstoff- und Abfallentsorgung und zum Transport von Gefahrgütern. Ellen Albrecht ist für die Themen Abfall, Gefahrgut und Schadstoffe verantwortlich. „Als Abfallbeauftragte muss ich genau nachvollziehen können, welche Müllarten und Mengen im Unternehmen produziert und wie sie entsorgt werden“, sagt Albrecht. Dazu muss sie sich vor Ort in Abfallverwertungs- und Beseitigungsanlagen von der sachgemäßen Entsorgung überzeugen und das unternehmenseigene Abfallzwischenlager regelmäßig kontrollieren. Eventuelle Unstimmigkeiten muss sie der Geschäftsleitung melden, die vor dem Gesetz verantwortlich ist. Sie ist Teil der Selbstkontrollinstanz des Unternehmens.

Ein weiterer Aufgabenschwerpunkt sind jährliche Schulungen, in denen sie die verantwortlichen Mitarbeiter des Unternehmens mit den rechtlichen Regelungen vertraut macht und mit ihnen entsprechende Verhaltensweisen trainiert. Um für diese Schulungen immer auf dem neuesten Stand zu sein, muss sich Ellen Albrecht selbst weiterbilden. Die Vermittlung von Wissen und umweltgerechtem Verhalten am Arbeitsplatz an die Kollegen sieht sie als besonders interessante Herausforderung: „Man muss sehr flexibel sein und bekommt durch die Nähe zu den Kollegen viel von möglichen Problemen bei der Umsetzung an der Basis mit“, umreißt Ellen Albrecht ihre Aufgabe.

Für Ellen Albrecht stand schon früh fest, dass sie im Umweltschutz arbeiten wollte. Mit der Wahl ihres Studienfaches Geographie entschied sie sich bewusst für eine sehr breit gefächerte Ausbildung: „Als Geografin ist man Generalistin in Sachen Umweltmedien – also Luft, Boden und Wasser“, sagt sie. Während des Studiums sammelte sie erste praktische Erfahrungen: Sie machte ein Praktikum im Umweltamt des Landesverbandes Rheinland (LVR) und lernte so die Arbeitsweise einer Umweltbehörde kennen, führte für einen Naturschutzverein Touristen durch das Wattenmeer und gewann Einblick in die Forschung am Max-Planck-Institut für Limnologie (= Lehre von den Binnengewässern) und dem Institut für Geographie der Universität Auckland.

Für ihre Diplomarbeit wählte Ellen Albrecht das Thema Entsorgung und unternahm eine Standortsuche für eine Siedlungsabfalldeponie. Schon während der Diplomzeit bewarb sie sich auf Stellen im technischen Umweltschutz bei Behörden, Planungsbüros und Ingenieurbüros. „Ohne Berufserfahrung war es extrem schwierig, eine Stelle zu bekommen“, erinnert sich Ellen Albrecht an die Einstiegsphase. Also entschloss sie sich zu einer Weiterbildung zur Umweltbauleiterin. Deren Schwerpunkt bildete das Thema Altlastensanierung, also die Feststellung von Altlasten, wie zum Beispiel Asbest in Gebäuden und der umweltgerechte Umgang damit. Parallel dazu bewarb sie sich weiter. Als sie den sechsmonatigen Theorieteil absolviert hatte, standen weitere sechs Monate Praktikum an. Doch durch das Angebot, sofort bei einem mittelständischen Entsorger als Abfallberaterin anzufangen, konnte sie auf den Praxisteil der Weiterbildung verzichten und der Berufseinstieg war geschafft. Nach zwei Jahren im Job bewarb sie sich bei der RheinEnergie und bekam die Stelle als Umweltschutzbeauftragte. Ihre berufliche Zukunft sieht sie weiterhin im technischen Umweltschutz eines Unternehmens.

Deutscher Naturschutzring: 1,5 Millionen mehr Arbeitsplätze im Umweltsektor möglich
Wenn die Bundesregierung entsprechende Rahmenbedingungen schafft, kann durch ökologische Innovationen die Zahl von heute 1,5 Millionen Beschäftigten im Umweltbereich bis 2020 verdoppelt werden. Das ist das Ergebnis einer Studie, die Bundesumweltminister Sigmar Gabriel vergangenen Donnerstag von Angelika Zahrnt, Vorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), in Berlin erhielt.

Vier Prozent der Beschäftigten arbeiten im Umweltsektor

„Der Umweltschutz ist ein bedeutender und stabilisierender Faktor für den deutschen Arbeitsmarkt geworden. Rund vier Prozent aller Beschäftigten arbeiten heute in diesem Bereich. Das sind mehr als zum Beispiel in der Automobilindustrie. Und das Potential ist längst nicht ausgeschöpft. Unsere Studie zeigt: Wenn die Bundesregierung zum ökologischen Innovationsmotor wird, werden im Jahr 2020 drei Millionen Menschen im Umweltschutz arbeiten können“, sagte die BUND-Vorsitzende.

Gabriel: "Wachstumsmärkte, mit enormen Potenzialen"

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel: „Die wirtschaftlichen und beschäftigungspolitischen Effekte des Umweltschutzes sind beeindruckend. Die Zahlen zeigen einmal mehr, dass es sich beim Umwelt- und Ressourcenschutz um Wachstumsmärkte mit enormen Potenzialen handelt. Klimaschutz, Energie- und Ressourceneffizienz oder nachhaltige Mobilität sind längst nicht mehr nur ökologische Herausforderungen, sondern auch ökonomische Zukunftsthemen. Mit einer anspruchsvollen und berechenbaren Umweltpolitik werden wir auch weiterhin die Rahmenbedingungen für Wachstum, Beschäftigung und Innovationen sichern.“

DNR fordert verstärkte Förderung der Erneuerbaren Energien im Wärmebereich

Hubert Weinzierl, Präsident des DNR: „Deutschland wird in der Welt zwar als Öko-Vorreiter gesehen, die Umweltzerstörung beispielsweise durch den hohen Öl- und Kohleverbrauch geht aber auch bei uns weiter. Ressourcen schonen und gleichzeitig Arbeitsplätze schaffen - das muss die Devise der Zukunft sein. Deshalb brauchen wir ein Gesetz, das bei der Wärmeerzeugung den Ersatz von Öl und Gas durch erneuerbare Energien gezielt fördert und so einen dem Erneuerbare-Energien-Gesetz vergleichbaren Boom auslöst.“

1 Millionen Beschäftigte im Bereich Energieeffizienz möglich

Prognosen besagen, dass 2020 weltweit 250 Milliarden Euro in erneuerbare Energien investiert werden. Die heimische Wirtschaft und der deutsche Arbeitsmarkt könnten davon in hohem Maße profitieren. Wenn die Bundesregierung das Potential der Erneuerbaren im Strom- und im Wärmesektor voll ausschöpfe, könnten bis dahin allein durch den Ausbau von Wind-, Sonnen- und Biomasseenergie 500000 Arbeitsplätze in Deutschland vorhanden sein.

Ein noch größeres Arbeitsplatzpotential habe die Verbesserung der Ressourceneffizienz bei Produkten und Dienstleistungen. Bis zu einer Million Beschäftigungsverhältnisse wären in diesem Bereich längerfristig möglich.

Ökologische Landwirtschaft führt ebenfalls zu mehr Arbeitsplätzen

Olaf Tschimpke, NABU-Präsident: „Der Ökolandbau schafft derzeit 35 Prozent mehr Arbeitsplätze als die industrielle Landwirtschaft. Das Arbeitsplatzpotential liegt nur bis 2010 bei 160000 neuen Beschäftigungsverhältnissen. Eine Agrarwirtschaft nach den Kriterien des Tier- und Naturschutzes eröffnet vielen Landwirten erst wieder eine Zukunft.“

Die Studie „Umwelt und Beschäftigung 2006“ sowie eine Zusammenfassung

Nach Angaben des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) arbeiteten im Jahr 2004 in Deutschland rund 1,5 Millionen Menschen im Umweltschutz. Die Beschäftigung hat damit im Vergleich zu 2002 leicht zugenommen. Dieser Anstieg zeigt laut BMU, dass der Umweltschutz ein bedeutender und stabilisierender Faktor auf dem Arbeitsmarkt geworden ist. Insgesamt lässt sich das Berufsfeld nur schwerlich exakt eingrenzen: Zum technischen Umweltschutz gehören Stellen in den Bereichen Abfall, Wasser, Altlasten, Energiewirtschaft, Emissions- und Lärmschutz sowie organisatorische und verwaltungsorientierte Aufgaben in Verbänden oder Behörden. Landschafts-, Stadt- und Verkehrsplaner arbeiten in Behörden, Verbänden oder Planungsbüros und beschäftigen sich mit der Planung und Verwaltung im Umwelt- und Naturschutz. Zum Bereich der Umweltberatung, Umweltinformation und Umweltbildung können Stellen in Umweltberatungsbüros und in der Öffentlichkeitsarbeit gehören und Jobs für Pädagogen in Bildungseinrichtungen sowie Dozententätigkeiten. Das Aufgabenspektrum im Umweltmanagement umfasst Umweltbetriebsprüfungen, die so genannten Öko-Audits, Analysen und Gutachten sowie Umwelt-Controlling. Juristen können sich auf Umweltrecht spezialisieren, ferner gibt es Umweltinformatiker, Umweltmediziner und eine breite Menge an Herstellern und Dienstleistern, die umweltgerechte Produkte oder Services anbieten. Auch die Land- und Forstwirtschaft sowie Berufe im Bereich der erneuerbaren Energien können zu den Umweltberufen dazugezählt werden.

Diese Vielfalt macht eine Einschätzung der generellen Arbeitsmarksituation sogar für Experten schwierig. Denn der Umweltschutzbegriff hat in der Vergangenheit eine grundlegende Wandlung erfahren und ist mittlerweile in viel mehr Lebens- und damit auch Arbeitsbereichen integriert als noch vor einigen Jahren. Es geht im Umweltschutz heute nicht mehr verstärkt um die nachsorgenden und reparierenden Aspekte. Stattdessen spielt die Vorsorge in Form von produkt- und prozessintegriertem Umweltschutz eine immer größere Rolle. Dr. Beate Raabe von der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) verdeutlicht den Gedanken des integrierten Umweltschutzes an einem Beispiel: „Der Chemiker, der für ein Chemieunternehmen ein neues Waschmittel entwickelt, muss die gesetzlichen Bestimmungen zum Gewässerschutz berücksichtigen. Er ist also mit Umweltschutzaspekten beschäftigt, ohne dass man ihn eindeutig einem Umweltberuf zuordnen könnte.“

Professor Jens Horbach hat die Beschäftigungserwartungen im Umweltbereich für das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) auf Basis einer Panelstudie analysiert. Er sieht im integrierten Umweltschutz noch Beschäftigungspotenziale. „Beschäftigung in Bereichen wie Luftreinhaltung, Abwasserreinhaltung und Abfallbeseitigung, bei denen die additive Umwelttechnik dominiert, werden dagegen in den kommenden Jahren stagnieren beziehungsweise abnehmen“, prognostiziert Jens Horbach.
Auch die Beschäftigungsaussichten im klassischen „Öko-Sektor“, also bei Naturschutzeinrichtungen oder Umweltzentren werden für die Zukunft eher negativ eingeschätzt: „Das Finanzvolumen ist erreicht – es werden keine neuen Stellen geschaffen“, beobachtet Beate Raabe.

Wachstum gibt es dagegen im Bereich der Erneuerbaren Energien. Laut BMU hat der anhaltende Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland zu einem deutlichen Beschäftigungszuwachs geführt: So habe die Zahl der Arbeitsplätze in dieser Branche im Jahr 2005 bereits bei etwa 170.000 gelegen – und sei damit im Vergleich zum Vorjahr um etwa zehn Prozent gestiegen.

Unter der Voraussetzung, dass der Markt bei stabilen politischen Rahmenbedingungen anhaltende Absatzchancen und Innovationsimpulse bietet, geht das BMU davon aus, dass der Anstieg der Arbeitsplätze im Sektor der Erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2020 auf 300.000 realistisch ist.

Mehr Stellen im technischen Umweltschutz

Arbeitsmarktexperte Norbert Steinhaus vom Wissenschaftsladen Bonn sieht im Umweltschutz nach wie vor einen der dynamischsten Arbeitsbereiche in Deutschland. Der Wissenschaftsladen Bonn beobachtet und analysiert den Umwelt-Arbeitsmarkt seit Jahren und veröffentlicht wöchentlich aktuelle Stellenangebote aus Zeitungen, Fachpublikationen und Internetportalen. „Die Zahl der Offerten ist von 5.180 im Jahr 2004 auf 6.100 im Jahr 2005 gestiegen. Rechnet man die Anzahl der Stellenangebote im ersten Quartal 2006 auf das gesamte Jahr hoch, lässt sich eine weitere Steigerung auf 7.100 erwarten“, beschreibt Norbert Steinhaus die Entwicklung auf dem Stellenmarkt. Besonders gefragt seien Beschäftigte im technischen Umweltschutz. „Die Gewinner auf dem Arbeitsmarkt Umweltschutz sind insbesondere Chemiker, Bauingenieure, Verfahrenstechniker und Elektrotechniker“, beobachtet Steinhaus. Auch für Umweltjuristen und Umweltinformatiker habe es im Jahr 2005 verstärkt Stellenangebote gegeben. Allerdings verlange rund ein Drittel der Arbeitgeber von den künftigen Beschäftigten bereits spezifische Berufserfahrung. Weitere typische Anforderungen sind laut Norbert Steinhaus Teamfähigkeit, Englisch- und EDV-Kenntnisse.

Aus- und Weiterbildung

Die Qualifizierungsmöglichkeiten im Umweltschutzsektor sind vielfältig: An Universitäten und Fachhochschulen werden mit steigender Tendenz Masterstudiengänge mit umweltorientierter Ausrichtung angeboten, die eine gute Ergänzung für Absolventen primär technischer und naturwissenschaftlicher, aber auch anderer Studiengänge darstellen. Der Geschäftsführer der Koordinierungsstelle Umwelttechnik im Verein deutscher Ingenieure (VDI), Rüdiger Wolfertz, rät von einer zu frühen Spezialisierung im Ingenieurstudium ab: „Ein abgeschlossenes Studium der Verfahrenstechnik mit Schwerpunkten auf dem Gebiet der Umwelttechnik ist erfahrungsgemäß die beste Voraussetzung für einen erfolgreichen Einsatz in der Industrie. Breit angelegtes, fundiertes Fachwissen mit Kenntnissen im Umweltrecht führt dabei eher zum Erfolg als ein von vornherein auf reine Umwelttechnik ausgerichtetes Studium.“

Für Selbstständige ist besonders der Bereich Umweltmanagement und -beratung chancenreich. „Managementkenntnisse und Kenntnisse der branchenspezifischen Prozesse und Abläufe in Unternehmen ermöglichen Selbstständigen ein zunehmend weites Betätigungsfeld. Zudem fordern Unternehmen verstärkt auch Kenntnisse im Arbeitsschutz sowie im Qualitätsmanagement, um so aus einer Hand eine umfassende qualifizierte Beratung zu erhalten“, so Rüdiger Wolfertz.

Umweltschutz in allen Bereichen
Interview mit Dr. Wolfgang Bloch, Leiter des Zentralen Unternehmensreferats Umweltschutz und technische Sicherheit der Siemens AG.
Welche Rolle spielt Umweltschutz bei Siemens?

Wolfgang Bloch: Der Umweltschutz spielt bei Siemens eine außerordentlich wichtige Rolle. Er ist in die Geschäftsprozesse integriert. Das heißt einerseits, dass wir bereits bei der Planung neuer Produkte berücksichtigen, dass die Produkte möglichst umweltverträglich gefertigt werden, dass sie bei ihrer Nutzung möglichst wenig Energie verbrauchen und Emissionen verursachen und dass sie sich am Ende ihres Lebenszyklus wieder verwenden oder möglichst umweltverträglich verwerten lassen. Andererseits ist Umweltschutz bei Siemens auch ein ganz klarer Führungsauftrag, der sich in einem umfassenden Umweltmanagement widerspiegelt.

Welche umweltbezogenen Stellen gibt es bei Siemens?

Wolfgang Bloch: Umweltbezogene Stellen gibt es bei Siemens auf allen Ebenen des Unternehmens. Ganz oben ist ein Vorstandsmitglied für Umweltschutz verantwortlich, dem zentrale Referate mit unternehmensweiter Zuständigkeit zuarbeiten. Genauso ist es eine Ebene tiefer in unseren Unternehmensbereichen. Dort ist ebenfalls ein Vorstandsmitglied für Umweltschutz verantwortlich und wird von einem Bereichs-Umweltschutzreferat unterstützt. Auf der Ebene unserer Standorte mit den Fabriken und Verwaltungen sind die Standortleitungen für Umweltschutz verantwortlich, unterstützt von Umweltschutz-Beauftragten. Ähnliche Strukturen hat Siemens in den ausländischen Regionalgesellschaften.

Wie viele Mitarbeiter sind bei Siemens mit Umweltschutzaufgaben betraut?

Wolfgang Bloch: Ausschließlich mit Umweltschutzaufgaben betraut sind weltweit rund 500 Mitarbeiter. Dazu zählen wir allerdings auch solche, die auf verwandten Gebieten der Technischen Sicherheit arbeiten, wie etwa dem Strahlenschutz.
Da wir den Umweltschutz in unsere Geschäftsprozesse integriert haben, sind jedoch weit mehr Menschen mit Umweltfragen befasst, zum Beispiel beim Entwickeln neuer Produkte, wenn es darum geht, die Produkte so umweltverträglich wie möglich zu gestalten. So gesehen ist Umweltschutz eine – mehr oder weniger umfangreiche – Aufgabe aller unserer Forscher und Entwickler.

Welche Absolventen haben die besten Perspektiven?

Wolfgang Bloch: Als künftige Mitarbeiter, die ausschließlich mit Umweltschutzaufgaben betraut sind, haben natürlich Umweltingenieure sehr gute Chancen. Für Jobs im Umweltbereich kommen aber grundsätzlich auch Chemiker, Biologen und Verfahrentechniker in Frage. Auch Physiker, Wirtschaftingenieure, Geologen und Geografen haben im Umweltschutz schon Fuß gefasst.

Welche Anforderungen werden bei Siemens an Bewerber auf umweltbezogene Stellen gestellt?

Wolfgang Bloch: Ingenieurwissenschaftliches Grundwissen und systematisches Denken sind unabdingbar. Hinzu kommen die Fähigkeit, in betriebswirtschaftlichen Zusammenhängen zu denken und die Bereitschaft, sich mit rechtlichen Rahmenbedingungen auseinanderzusetzen. Bei den Soft Skills sind unbedingt Kommunikations- und Teamfähigkeit zu nennen. Sicher hilfreich ist eine gute Portion Motivations-, Überzeugungs- und Durchsetzungsfähigkeit.

Welche betrieblichen Weiterqualifizierungsmöglichkeiten im Umweltschutzbereich gibt es für Siemens-Mitarbeiter?

Wolfgang Bloch: Grundlagen- und Fachseminare gehören bei Siemens zur Grundausstattung der Weiterbildung im Umweltschutz. Hinzu kommt ein regelmäßiger interner Erfahrungsaustausch, den man im weiteren Sinne auch als Weiterqualifizierung bezeichnen kann.

Existenzgründung

Dr. Gottfried Poersch entschied sich vor knapp zwei Jahren für den Weg in die Selbstständigkeit. Als freier Umweltberater bietet der 44-Jährige in erster Linie kleinen und mittelständischen Unternehmen seine Unterstützung in Umweltschutzfragen an. Der Bedarf an freien Umweltberatern ist laut Gottfried Poersch vorhanden: „Festangestellte Mitarbeiter für Umweltschutz lohnen sich nur für größere Unternehmen“, schätzt er den Markt ein.

Für kleinere Unternehmen sei ein eigens abgestellter Umweltschutz-beauftragter meistens zu teuer. Das flexible Leistungsangebot eines externen Beraters, der dem Unternehmen arbeitsintensive und bürokratische Vorgänge, wie zum Beispiel das Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz oder das Schreiben von Abfallbilanzen oder Emmissionserklärungen abnimmt, komme den Bedürfnissen der Mittelständler entgegen.

Das Angebot von Gottfried Poersch ist breit gefächert: Im Bereich Umweltmanagement bietet er die Planung, Einführung, Dokumentation und Überprüfung von Umweltmanagementsystemen an. Daneben gehören seit einiger Zeit auch Qualitätsmanagement und integrierte Managementsysteme in sein Portfolio. Für Unternehmen, die per Gesetz einen Betriebsbeauftragten für Umweltschutz benennen müssen, aber keinen angestellten Mitarbeiter dafür abstellen können oder wollen, übernimmt Gottfried Poersch diese Kontrollfunktion als externer Umweltbeauftragter. In dieser Funktion erledigt er auch die Schulung von Mitarbeitern zu Umweltthemen. Sein Schulungsangebot will er in Zukunft weiter ausbauen. Derzeit arbeitet er am Konzept für einen Fernlehrgang zum Abfallbeauftragten. Mit dem Konzept will er eine Marktlücke schließen: „Vergleichbare Lehrgänge gibt es derzeit nur als Präsenzveranstaltungen“, sagt Gottfried Poersch, der den Fort- und Weiterbildungsmarkt im Umweltsektor sehr genau beobachtet.

Über Umwege zum Umweltschutz

Der Werdegang von Gottfried Poersch führte nicht auf direktem Weg in den Umweltschutz: Als er 1993 sein Chemiestudium an der Universität-Gesamthochschule Duisburg (heute Universität Duisburg-Essen) inklusive Promotion auf dem Gebiet der Polymerchemie abgeschlossen hatte, waren die Aussichten auf eine Stelle in der chemischen Industrie trotz guter Noten trübe. „Der Arbeitsmarkt für Chemiker war damals tot“, erinnert er sich. Nach mehreren hundert erfolglosen Bewerbungen begann er, sich nach Alternativen umzusehen, die seinen Interessen und seiner Ausbildung entsprachen. Bei seinen Recherchen stieß er auf eine Weiterbildungsmaßnahme zum Umweltreferenten der Handwerkskammer Düsseldorf. Schwerpunkte auf dem Lehrplan der einjährigen Vollzeitweiterbildung waren Umweltrecht, Umwelttechnik und Betriebswirtschaft. Die Teilnehmer der von der Bundesagentur für Arbeit geförderten Maßnahme waren fast ausschließlich Naturwissenschaftler oder Ingenieure.

„Wir haben gelernt, Umweltprojekte betriebswissenschaftlich darzustellen“, fasst Gottfried Poersch den Output der Weiterbildung zusammen. Diese sei konkret auf kleine und mittelständische Unternehmen zugeschnitten gewesen. Während der Weiterbildung konnten die angehenden Umweltbeauftragten auch einzelne Zusatzqualifikationen erwerben: Gottfried Poersch legte Prüfungen zum Gefahrgut-, Gewässerschutz- und Abfallbeauftragten ab. Nach dem Abschluss musste er feststellen, dass zwar viele Mittelständler einen Umweltbeauftragten brauchen – aber nur in den seltensten Fällen auch bezahlen konnten. Doch er hatte Glück: Über einen Kontakt aus der Weiterbildung bekam er ein Praktikumsangebot bei einem Ingenieurbüro für Umweltschutz und hatte dann schnell einen Vertrag als fest angestellter Berater in der Tasche.

Der Schwerpunkt seiner Arbeit lag zunächst bei der Abfallberatung für Unternehmen. Nach und nach kamen weitere Aufgaben dazu – das Beratungsunternehmen expandierte und Poerschs Erfahrungsschatz wuchs damit. Vor zwei Jahren dann machte die Beratungsfirma eine Umbruchphase durch – Poersch war mit dem neuen Management nicht mehr zufrieden und entschloss sich nach acht Jahren Berufserfahrung für die Existenzgründung. Sein Büro hat er in das Dachgeschoss seines Hauses verlegt. Wie alle Selbstständigen lebt er seitdem mit der Unsicherheit, die sich aus der schwankende Auftragslage ergibt. „Ein Drittel der Arbeitszeit verbringt man mit Akquise“, beschreibt Gottfried Poersch die Selbstständigkeit. Um seinen Kunden möglichst viele Leistungen aus einer Hand bieten zu können, plant er für die Zukunft den Aufbau eines Netzwerkes mit anderen freien Beratern, die neben Umweltschutz auch andere Themen wie zum Beispiel Arbeitsschutz anbieten.



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